Autor: DI Renate Fuchs
„Wer den Boden pflegt – erntet Zukunft“
Mit dem Frühling beginnt im Garten nicht nur die optisch ansprechende Blütezeit, sondern vor allem eine arbeitsintensive und pflanzenphysiologisch entscheidende Phase. Viele Prozesse, die jetzt beginnen, bestimmen die Vitalität und Ertragskraft des gesamten Gartenjahres. Der eigentliche Startschuss für das Pflanzenwachstum fällt, wenn die Bodentemperatur dauerhaft über 5–7 °C steigt. Erst dann beginnen wichtige Stoffwechselprozesse wie Wurzelaktivität, Nährstoffaufnahme und Zellteilung. Für Gärtner bedeutet das: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um den Boden zu prüfen und vorzubereiten. Dies sorgt nicht nur für kräftige Pflanzen und hohe Erträge, sondern bildet auch die Grundlage für nachhaltigen Anbau von Kulturen.
Bodenbeschaffenheit und Nährstoffverfügbarkeit
Die physikalischen Eigenschaften des Bodens bestimmen, wie gut Pflanzen Wasser, Luft und Nährstoffe auf-nehmen können. Besonders relevant im Frühjahr ist die bestehende Krümelstruktur des Bodens, stabile und lockere Aggregate fördern Wurzelwachstum und Wasserführung. Verdichtungen hingegen behindern die Durchlüftung und führen zu Staunässe. Deshalb sollte vor der Bearbeitung die Bodenfeuchte kontrolliert werden: Ein einfacher Test ist die „Faustprobe“. Lässt sich der Boden zu einer festen Kugel formen, ist er noch zu nass. Berücksichtigt werden sollte auch der Bodentyp, denn je nach Beschaffenheit ändert sich die Wasser- und Nährstoffhaltefähigkeit. Sandige Böden erwärmen sich schnell, trocknen aber rasch aus und benötigen organische Substanz zur Wasserhaltefähigkeit. Lehmige Böden hingegen speichern Wasser und Nährstoffe gut, sind aber im Frühjahr oft schwer und kalt. Ideale Bedingungen bieten humusreiche Böden, diese müssen aber regelmäßig mit organischem Material versorgt und „gefüttert“ werden.
Bild: Regenwurmhumus
Welche Rolle spielt der Regenwurm im Boden?
Regenwürmer im Boden sind für die Bodenfruchtbarkeit enorm wichtig. Einerseits lockern sie durch ihre Gänge den Boden auf und verbessern somit Belüftung, Wasseraufnahme und Wurzelwachstum. Andererseits zersetzen sie organisches Material, indem sie Laub, abgestorbene Pflanzenreste und Mikro-organismen fressen. Der dabei ent-stehende „Wurmhumus“ (= Ausscheidung des Regenwurms) ist einer der nährstoff-reichsten Stoffe im Boden. Diese Form
der Nährstoffe sind zudem für die Pflanzen
leicht aufzunehmen und noch dazu die
kostengünstigste Form der Düngung. Fördern kann man Regenwürmer, indem man oben genannte Maßnahmen zur Bodenbearbeitung berücksichtigt: viel organisches Material anbietet – je mehr „Futter“, desto mehr Regenwürmer, Boden möglichst wenig umgraben, Boden feucht halten (Mulchschicht) und Verzicht auf mineralischen Dünger.
Gesunde Böden mit guter Bodenfruchtbarkeit entstehen meist über Jahrzehnte, können aber auch in wenigen Jahren komplett zerstört werden. Bodenfruchtbarkeit ist kein Selbstläufer! – Diese muss aktiv erhalten und gefördert werden. Wer dies tut, investiert in gesunde Pflanzen, gute Erträge und zuletzt auch in den Klimaschutz.
Unsere Böden sind neben der landwirtschaftlichen Nutzung vor allem auch wichtige Kohlenstoffspeicher und helfen, langfristig CO2 zu binden.
