Autor: Dr. Thomas Rühmer, Versuchsstadion Obst- und Weinbau, Haidegg
Was wie Science Fiction klingt, ist nichts anderes als ein natürlicher Vorgang, der wichtig ist, dass sich Organismen an veränderte Umgebungsbedinungen anpassen können. Der Begriff „Mutation“ stammt vom lateinischen Wort mutare, was übersetzt „verändern“, „wandeln“ oder „tauschen“ bedeutet. Es verändern sich also die Eigenschaften eines Organismus (z.B. eines Apfelbaumes), die von außen erkennbar sind. So entstehen z.B. besser gefärbte, dunkelrote Mutanten oder Klone (weil sie genetisch erbgleich sind) von Apfelsorten. Besonders stark ausgeprägt ist diese Farbverbesserung in den zahlreich verfügbaren Gala-Typen, die von diversen Baumschulen angeboten werden.
Wodurch entstehen solche Veränderungen?
Grundsätzlich können solche Veränderung im Erbgut ohne Einfluss von außen passieren. Es kommt bei der Zell-teilung zu kleinen Fehlern bei der Kopie des Erbgutes (DNA), auch spontane chemische Veränderungen der einzelnen Bausteine des Erbgutes sind möglich. Dadurch können neue Eigenschaften entstehen, die unter Um-ständen eine bessere Anpassung an die Lebensbedingungen bewirken und so erhalten bleiben. Auch negative Eigenschaften können dadurch entstehen, diese werden aber aufgrund der schlechteren Anpassung meist nicht weitervererbt und sterben so wieder aus.
Zusätzlich können äußere Einflüsse das Erbgut schädigen und so zu vermehrten Veränderungen führen. Verschiedene Strahlungen (UV-Licht, Röntgenstrahlen, radioaktive Strahlung) sind klassische Auslöser von Mutationen. Verschiedene chemische Substanzen können erbgutverändernd wirken. Auch Viren können ihr eigenes Erbgut in das Erbgut des Wirtes einschleusen und so zu Mutationen führen.
Bild: Mutationen-Titel
Wie können diese Mutationen für die Züchtung neuer Sorteneigenschaften genutzt werden?
Durch gezielte Selektion von gewünschten veränderten Eigenschaften, wie beispielsweise beim Apfel eine bessere, dunklere Deckfarbe der Fruchtschale, können diese weiter vermehrt und bewahrt werden. So ist es bei der Sorte Gala gelungen, dass man ein Farbenspiel von der komplett gelbschaligen Mutation „McLaughlin Gala“ über hellrot gestreifte Früchte von „Gala Brookfield“ bis hin zu flächig, dunkelrot gefärbten Spielformen der Mutante „Dark Baron Gala“ zig verschiedene Zwischenformen findet.
Die Apfelsorte Gala hat mit ihren vielen verschiedenen Mutationen derzeit weltweit wohl das größte Farbspektrum innerhalb einer einzigen Sortengruppe.
Lesen Sie weiter Ausgabe 04/2026.
