Autor: Redaktion / Quelle: Konrad Mair, Amt für Obst- und Weinbau Bozen, Pflanzenschutzdienst
https://landwirtschaft.provinz.bz.it/de/obst-weinbau
Nachdem die Kastaniengallwespe nach erstem Auftreten in der Steiermark 2013 und „Selbstregulierung“ mit nachgewandertem Gegenspieler wieder vor der Haustür steht, soll mit einem Portrait des Insekts das Beobachten der Schadbilder gefördert werden. Nachfolgend ein Beitrag des Pflanzenschutzdienstes Bozen in Südtirol.
In Europa wurde das Auftreten der ursprünglich aus Südchina stammenden Japanischen Esskastanien-Gallwespe
(Dryocosmus kuriphilus), kurz Kastaniengallwespe, erstmals im Jahr 2002 in Cuneo (Piemont) festgestellt. Vermutlich wurde der Schädling mit infiziertem Vermehrungsmaterial aus Japan eingeschleppt. Bereits innerhalb weniger Jahre kam es zu einer raschen Verbreitung und in der Folge zu großen Schäden im Kastanienanbau. Mittlerweile hat sich der Schädling in nahezu allen Kastanienanbaugebieten Europas etabliert. In Südtirol wurde der erste Befall im Jahr 2008 in Terlan nachgewiesen.
Biologie und Symptome
Die Kastaniengallwespe bringt nur eine Generation pro Jahr hervor und befällt ausschließlich die Esskastanie. Die adulten Weibchen haben ein wespenähnliches Aussehen, sind ca. 2,5 mm lang. Thorax und Abdomen sind schwarz, die restlichen Körperteile, mit Ausnahme des dunkelbraunen letzten Thoraxsegmentes, gelblichbraun gefärbt. Die Kastaniengallwespe vermehrt sich partheno-genetisch, also ohne Beteiligung männlicher Exemplare. Männchen wurden noch nie beobachtet. Die adulten Insekten schlüpfen, abhängig von den Witterungsbe-dingungen und der Höhenlage, zwischen Ende Mai und Anfang August und legen die Eier in Paketen von meist
drei bis fünf in die Knospen der Kastanienbäume. Insgesamt legt ein Weibchen ca. 100 bis 150 Eier ab und stirbt nach wenigen Tagen.
Nach etwa 40 Tagen wird das erste Larvenstadium erreicht, in welchem der Schädling überwintert.
Bild: Befallener Trieb mit typischen Gallen
Bekämpfung
In ihrer ursprünglichen Heimat Südostasien ist die Schadwirkung gering, da es dort mehrere Schlupfwespen als natürliche Gegenspieler gibt. Diese fehlen jedoch in anderen Gebieten. In Europa wurden zwar auch heimische Parasitoide in Gallen der Kastaniengallwespen gefunden, ihr Potential zur Eindämmung des Schädlings wird
jedoch als unzureichend eingestuft.
Das Einsammeln und Vernichten der Gallen ist eine Möglichkeit, die Ausbreitung des Schädlings zumindest zu verzögern. Bei starkem Befall und größeren Bäumen ist diese Bekämpfungsmethode allerdings nicht mehr durchführbar.
Meldungen über Funde von Gallen an Edelkastanien in der Steiermark (idealerweise mit Foto) werden erbeten an:
Pflanzenschutzreferat Stmk., Ragnitzstraße 193, 8047 Graz, harald.fragner@stmk.gv.at
oder Verein ARGE Zukunft Edelkastanie, Apfelweg 1, 8051 Thal, steirerkestn@gmail.com
Lesen Sie weiter Ausgabe 06/2026.
