Autor: ÖR Ing. Josef Ulz
Die Waldtracht ist heute für weite Teile Mitteleuropas die wichtigste Tracht. In Österreich beträgt ihr Anteil an der gesamten Honigproduktion zirka 70%. Für nicht wenige Betriebe ist die Imkerei erst durch die Ausnutzung der Waldtracht rentabel. Zu den Besonderheiten der Waldtracht gehört das unregelmäßige Auftreten in den einzelnen Jahren auf den verschiedenen Standorten. So kann es ein, dass in einem Jahr die Honigernte sehr gut
und im darauffolgenden Jahr sehr schlecht oder überhaupt ausfallen kann.
Wenn „der Wald gut honigt“, ist ein Massenvorkommen von Honigtau zu beobachten, welcher von den Bienen nur zu einem Bruchteil genutzt werden kann. Der Imker muss versuchen, zeitgerecht den Ort und die Ergiebigkeit der Honigtautracht abzuschätzen. Dies ist nur durch die Kenntnis der beteiligten Honigtauerzeuger und durch regelmäßige Waldbeobachtung möglich. Der gewissenhafte Aufbau der Völker zur Nutzung der Waldtracht stellt die Grundlage dar, das üppige Angebot gut zu nützen.
Entstehung
Grundlage für die Entstehung einer Waldtracht ist das Massenauftreten sogenannter Honigtauerzeuger. Dabei handelt es sich vorwiegend um Insekten aus der Gruppe der Blatt-, Schild- und Rindenläuse, welche mit ihren Mundwerkzeugen die saftführenden Leitungsbahnen der Pflanzen anstechen und einen zuckerhaltigen Saft, den
Honigtau als Überschuss wieder abgeben. Die Stärke und der Höhepunkt der Massenvermehrung werden von der eigenen Vermehrungskraft, dem Klima, der Assimilationsleistung des Wirtsbaumes und diese wiederum von den Witterungs- und Standorteinflüssen ganz entscheidend beeinflusst.
Waldameisen und Honigtauerzeuger
Manche pflanzensaugenden Insekten haben eine enge Beziehung zu Ameisen entwickelt. Die Ameisen beschützen die Stammmütter der Lachniden, pflegen die Kolonien und sammeln den Honigtau als Nahrung. Für den Imker besonders interessant ist der Zusammenhang zwischen den Hügel bauenden Waldameisen und den honigtauproduzierenden Lachniden bzw. Lecanien. In der Regel findet man daher in der Nähe von Waldameisennestern eine größere Anzahl sowohl von Lachniden als auch von Lecanien als in nestfernen oder
ameisenfreien Waldbezirken.
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