Autor: Michael Machatschek
In der Gehölzkunde spricht man von „Harfen“, wenn von einem oder mehreren liegenden Ästen oder schrägen Stämmen mehrere Triebe annähernd parallel senkrecht aufwachsen. Solche harfenartige Wuchsformen findet man in der Natur bei Fichte, Tanne, Lärche im oberen Kronenbereich, sowie bei Gewöhnlicher Esche, Eiche, Rot- und Hainbuche, als auch bei Hasel, Traubenkirsche und Weide. In Großbritannien und Norddeutschland förderte man
durch Umknicken und Querliegen der Eschen und Hainbuchen den senkrechten Neuaustrieb von Ästen und Jungstämmen, welche als „Knickharfen“ benannt werden. Auf diese Weise wurden die Hecken undurchlässiger und im Holzertrag produktiver.
Im Saggautal (südliche West- und Südsteiermark) erfolgte in der Talniederung Ende der 1970er Jahre eine Flur-bereinigung, bei denen zur besseren maschinellen Landbearbeitung die kleinen seitlichen Zuflüsse begradigt wurden. Mit der Veränderung der Schlagfluren gingen viele Flurgehölze und Korbweiden verloren. Letztere hatten neben verschiedenen ökologischen Funktionen auch die Aufgabe eine Standortentwässerung, Böschungs-sicherung und die Lieferung von Weideruten zu erfüllen. Die Landschaftsausräumung ging einher mit der Auflassung des Korbflechtergewerbes und der Kleinlandwirtschaft.
Bild: Ernte der Weidenruten
Weidenharfen, auch Bandholz genannt
Die Nutzung der Weidenruten war früher weit verbreitet. Viele erinnern sich heute noch an ihre Großeltern, welche im Winter ein zusätzliches Einkommen mit dem Korbflechten und Korbbinden erwirtschafteten. Einige berichten von der Verwendung für das Weinaufbinden und Festbinden des Strohdachs. Sie zogen die Weiden als Kopfbäume oder als Weidenharfen auf. Früher nannte man in der Weststeiermark die harfenförmige Weidenform
„Bandholz“, da die gespaltenen und bearbeiteten Ruten zum Nähen der Körbe aus Stroh oder Rasch verwendet wurden. Als bevorzugte Art gilt die Gold-, Dotter- oder Gelbweide (Salix alba Vitellina). Sie besitzt orangegelbe Ruten und ist eine Abart der Silberweide. Auch sind für Weidenharfen Mandelund Korbweiden (Salix triandra,
S. viminalis) geeignet. Selten noch nutzt in dieser Gegend heute jemand die Rinde zum Binden der Strohkörbe.
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