Autor: Wolfgang Renner, Versuchsstation Haidegg

Die Etablierung der Kordonerziehung mit Zapfenschnitt verfolgt im Wesentlichen drei Ziele:
– Reduktion von Esca durch einen wundarmen Rebschnitt
– Arbeitszeitersparnis durch eine Teilmechanisierung des Rebschnittes (Vorschnitt)
– Reduktion von Schäden durch Spätfröste

Versuche

Seit dem Vegetationsjahr 2013 werden in der Versuchsanstalt Haidegg auf zwei Standorten die Systeme Flachbogenerziehung (Guyot) und Zapfenschnitt bei acht verschiedenen Rebsorten verglichen.
Bei der Kordonerziehung mit Zapfenschnitt geht es darum, einen Kordon und je nach Stockabstand fünf bis sieben Konusse aus altem Holz zu entwickeln. Im Zuge des Rebschnittes wird jeder Konus auf einen Zweiaugen-Zapfen zurückgeschnitten, sodass in Summe 10 bis 14 Augen pro Rebstock übrigbleiben können. Im Winter wird nur ein Vorschnitt auf eine Länge von vier bis sechs Augen durchgeführt – optimalerweise mit dem maschinellen Vorschneider.
Durch die Apikaldominanz werden im Frühjahr die Basisaugen des einjährigen Holzes von den bereits an- und ausgetriebenen Augen im oberen Bereich im Austrieb gehemmt. Der Austrieb der Basisaugen kann sich so um ein bis zwei Wochenverzögern und vielleicht das Spätfrostrisiko minimieren. Der exakte Hauptschnitt erfolgt erst nach dem Austrieb, dabei wird immer der basisnähere Trieb auf zwei Augen angeschnitten. 

 

Spätfrost
Der starke Spätfrost im April 2024 bot die
Möglichkeit, dieser Frage genauer nachzu-gehen. Auf den am stärksten betroffenen
Lagen stehen die Sorten Weißburgunder,
Welschriesling und Blauer Wildbacher. Hier
waren beim Zapfenschnittsystem tatsächlich signifikant weniger abgefrorene Haupttriebe festzustellen. Am deutlichsten war der Effekt bei der Sorte Weißburgunder zu sehen. Hier waren die Stockerträge (Grafik Seite 12) im Herbst beim Zapfenschnitt doppelt so hoch (2,22 kg) als bei der Flachbogenerziehung (1,05 kg). Die Erträge bei Welschriesling lagen insgesamt auf einem viel tieferen Niveau, aber auch hier war die Zapfenschnitt-Variante mehr als doppelt so hoch (0,68 kg) als die Kontrollvariante (0,25 kg).

 

Aufbau
Der Rebstock soll schlussendlich aus einem Stamm und einem Kordon aus altem Holz bestehen. Beabsichtigt man in Neuanlagen dieses System zu etablieren, dann sollte der Kordon um 10 cm tiefer als üblich angelegt werden, damit die Konusse aus altem Holz Platz haben, über die Jahre hinweg nach oben zu „wachsen“. Werden
diese Konusse nach vielen Jahren der Kultivierung zu hoch, kann man diese wiederum schonend verjüngen,…

Lesen Sie weiter Ausgabe 01/2026