Autor: Wolfgang Weingerl

Als der russischen Pomologe Iwan Wladimirowitsch Mitschurin im Jahr 1915 aus dem im Kaukasus beheimateten
Niedzwetzki-Apfel (Malus niedzwetzkyana), dem Urahn rotfleischiger Äpfel, die Sorte Roter Mond züchtete, stand die Frostbeständigkeit für die Klimabedingungen Russlands im Vordergrund. Von einem Baum dieser Sorte schickte später ein deutscher Soldat von der Front im Kaukasus Kerne an seinen Professor an die TU in Berlin. Daraus zog Heinrich Wiepking einen wurzelechten Sämling, von diesem wieder um schnitt ein Kollege Reiser
mit Genehmigung von Wiepking und nahm sie zur Weitervermehrung mit nach Weihenstephan. Von der TU Berlin zog das originale Bäumchen nach Hannover, wo Wiepking an der TU lehrte, von dort kam es nach Osnabrück. Von diesem Baum ausgehend wurde die Sorte durch Edelreiser weiter vermehrt.

Der in Weihenstephan angestrebte Sortenschutz für den rotfleischigen Apfel („Weirouge“) wurde vor längerer Zeit zurückgezogen, da die Sorte genetisch identisch mit dem Roten Mond von Mitschurin ist.
Die rote Schale und ihr voll￾ständig rotes Fruchtfleisch (auch die Blüten, sogar die Kerne und das Holz der Triebe sind rot) wird durch einen ungewöhnlich hohen Gehalt an Anthocyanen verursacht. Das besondere Merkmal ist jedoch, dass das Fruchtfleisch und der Saft auch nach der Verarbeitung rot bleiben – schilcher färbiger Saft oder Most und rote gedörrte Apfelspalten oder Mus gibt auch für das Auge etwas her. Aufgrund des geringen Zucker- und hohen Säuregehalts ist er als Tafelapfel eher ungeeignet, zum Beispiel als Cider mit süßem Saft verschnitten,
erfreut er sich aber steigender Beliebtheit.

Bild:  Lucy Glo – außen gelb, innen rot, knackiges aromatisches Fruchtfleisch

Sortenzüchtung rotfleischiger Äpfel in der Steiermark
Während verschiedene österreichische Versuchsstationen sich auf die Tauglichkeitsprüfung von Neuzüchtungen für den heimischen Obstanbau konzentrieren, wird einer gezielten Züchtungsarbeit hierzulande wenig Beachtung geschenkt. In der Steiermark wird allerdings an rotfleischigen Apfelsorten gezüchtet, wie bei einer Exkursion der BOKU Wien am Bio-Obstbaubetrieb von Michael Krenn in Fehring zu erfahren, besser gesagt zu erleben und verkosten war. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Bereichen Obstforschung, Versuchsanlagen, Pomologie und Obstbaumpflege hatten sich am Betrieb Krenn eingefunden.

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