Autor:  Wolfgang Weingerl, Fachverein Steirische Obstbaumwarte

Der Fachverein der steirischen Obstbaumwarte führt neben dem allgemein zugänglichen Kursangebot jährlich mehrmals interne Schulungen für die zertifizierten Obstbaumwarte durch, um deren Expertise zu erweitern, sich fachlich auszutauschen und aktuell zu bleiben. Der erste Termin 2026 stand unter dem Thema

„Schnitt großkroniger Obstbäume unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit“
und wurde am Bestand des Pichlhofguts in Frohnleiten durchgeführt. An den durchwegs Apfelbäumen im geschätzten Alter von 40 Jahren wurde versucht, mithilfe eines vorgefertigten Formularbogens den Bezug zwischen Alter, Sorte und Zustand des Baumes mit den Mindesteingriffen darzustellen. Der Schwerpunkt lag
auf der Wiederherstellung der Belichtung möglichst aller Kronenteile, um eine Vitalisierung des Baumes zu fördern. Schnitte zur Förderung der Statik wurden weitgehend außer Acht gelassen bzw. als Maßnahme für den Jahresanfang 2027 dem Baumbesitzer empfohlen.

Vorgehensweise
Baumbeurteilung (Wüchsigkeit, Schäden an Krone und Stamm etc.), das Definieren von 3 bis 4 „gröberen“ Schnitten im Bereich unterhalb der
Krone, das Entfernen von den den unteren Teil des Kronenaufbaus beschattenden Elementen wurden vorrangig, weitere Schnitte nur bei ausreichend
verbleibender Zeit ausgeführt.
Die Richtzeit pro Baum wurde möglichst gering gewählt, um die Inanspruchnahme von Obstbaumwarten durch Besitzer von Streuobstbeständen möglichst niederschwellig zu halten. Außer Acht gelassen wurde der Zeitbedarf für die Besprechung der Schnittvorhaben, das fotografische Dokumentieren vorher/nachher sowie die Entsorgung des Schnittguts, da diese Zeit bei einer Auftragsannahme ebenso kaum relevant wäre.

Resumée
Baumansprache: Zur Beurteilung der Baumgesundheit ist ein gewisses Mindestmaß des Erkennens von Krankheiten notwendig. Diesbezüglich wären weitere Treffen zum Wissenserwerb anzuregen.

Schnittstärken: Die Meinungen der Teilnehmer bezüglich maximaler Schnittstärken differierten. In diesem Kurs wurden wenige, aber relativ starke Schnitte ausgeführt, die Reaktion darauf und eventuelle nachteilige Entwicklungen sind zu beobachten. Schnitte in größerem Abstand zur Hauptachse wurden von einigen Teilnehmern als vorteilhafter betrachtet. Das Verstreichen der Schnittflächen unterblieb ganz, da die Bäume als ausreichend vital für eine Wundheilung betrachtet wurden.

Lesen Sie weiter Ausgabe 02/2026.