Autor: DI Michael Krutzler-Spath, HBLA Klosterneuburg
Der österreichische Streuobstbau ist weit mehr als eine Form der Obstproduktion. Streuobstwiesen prägen unsere Kulturlandschaft, erhalten alte Sorten, bieten wertvolle Lebensräume und sind eng mit regionaler Identität ver-bunden. Besonders die Birne spielt im extensiven Obstbau und in traditionellen Mostregionen eine zentrale Rolle. Gleichzeitig geraten gerade alte Birnbestände zunehmend unter Druck: Seit mehreren Jahrzehnten wird ein ver-stärktes Absterben von Birnbäumen beobachtet. Eine wesentliche Ursache dafür ist der sogenannte Birnenverfall.
Eine Krankheit mit weitreichenden Folgen
Der Birnenverfall wird durch das Birnenverfalls-Phytoplasma, „Candidatus Phytoplasma pyri“, verursacht. Dabei handelt es sich um ein zellwandloses Bakterium, das im Phloem der Pflanzen lebt und durch phloemsaugende Insekten übertragen wird. Von besonderer Bedeutung sind dabei Birnblattsauger der Gattung Cacopsylla.
In Österreich sind vor allem drei Arten epidemiologisch relevant: der Gemeine Birnblattsauger, der Kleine oder gefleckte Birnblattsauger und der Große Birnblattsauger. Die Symptome entwickeln sich oft schleichend. Typisch sind unter anderem vermindertes Wachstum, kleinere Früchte, Blattrollen, schüttere Belaubung, vorzeitige Rotfärbung der Blätter und das Absterben einzelner Äste. In fortgeschrittenen Stadien kann die Erkrankung schließlich zum Absterben ganzer Bäume führen.
Besonders problematisch ist, dass zwischen Infektion und sichtbarem Krankheitsausbruch mehrere Jahre liegen können. Für den Streuobstbau stellt der Birnenverfall eine besondere Herausforderung dar. Viele Bestände sind alt, Pflanzenschutzmaßnahmen sind bei Hochstämmen technisch schwierig umzusetzen oder im extensiven Anbau nicht erwünscht, und eine kurative Behandlung bereits infizierter Bäume steht derzeit nicht zur Verfügung. Auch eine reine Bekämpfung der übertragenden Insekten reicht unter diesen Bedingungen nicht aus, um das Problem
langfristig zu lösen.
Bild: An Birnenverfall erkrankter Birnbaum (© Riedle-Bauer)
Vitale alte Bäume
Trotz der schwierigen Ausgangslage gibt es einen vielversprechenden Ansatz: In der Praxis finden sich immer wieder alte Birnbäume, die trotz Infektionsdruck über viele Jahre vital bleiben. Solche Beobachtungen deuten darauf hin, dass genetische Unterschiede in der Toleranz gegenüber dem Erreger bestehen könnten. Genau hier setzt das EIP-AGRI Projekt „Strategien gegen den Birnenverfall in der landwirtschaftlichen Praxis“ an.
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