Autor: Michael Machatschek

Überarbeiteter Beitrag aus: Nahrhafte Landschaft Band 3. Böhlau Verlag, Wien 2015.

Wer sich mit den Heilkräften unserer Nutzpflanzen näher beschäftigt, kommt um die Gruppe der Holunder nicht umhin. Die Holundermedizin orientiert sich heute fast ausschließlich am Schwarzen Holler. Meiner Erfahrung nach
sollte man von allen drei Straucharten den Verzehr roher „Beeren“ vermeiden. Die Früchte des Rot-Holunders
gelten als giftig oder giftverdächtig und jene des Schwarz Holunders (S. nigra) – roh genossen – sind für die meisten Menschen unverträglich. Gekocht sind allerdings die Früchte des Roten und Schwarzen Hollers z.B. als Marmelade und Obstsuppe genießbar. Der gekochte und eingedickte Saft gilt im Volkswissen als heilwirksames Mittel bei Verkühlungen und Kreislaufproblemen…..

Vorkommen und Standortansprüche
Dieses Geißblattgewächs (Caprifoliaceae) wird auch unter der Bezeichnung „Hirschholunder“, „Berg-“ oder „Waldholunder“, „Korallen-“ oder „Türkischer Holunder“, „Hollerschwamm-“ und „Augenschwammbaum“
geführt. In manchen Gegenden nennt man den Rot-Holler auch „Katelbeere“, d.h. Rotkehlchenbeere.
Aufgrund ihrer frühen Reife sind die leuchtend roten Früchte schon im Sommer ein erster Blickfang. Der Strauch gilt grundsätzlich gegenüber Bodenansprüche und Lichtgenuss als grundsätzlich anspruchslos, frosthart und industriefest. Gut gedeiht die Halbschatten-Lichtholzart von der Ebene bis in die montane Stufe der Gebirge (bis
1900m) auf lockeren, frischhumosen, aber mineralstoffreichen (Lehm-)Böden.

 

Bild: Roter Holler Sambucus racemosa

Die Früchte des Rothollers
Die auffälligen, scharlachroten, etwas bereiften Früchte sind in einem traubigen Behang angeordnet und je nach Witterungsverlauf vom Juli bis September erntbar. Im Rohzustand riechen und schmecken sie etwas penetrant, säuerlich und leicht herb. Roh genossen sind sie in größerer Menge nicht verträglich. Bei den dichtstehenden „Beeren“ handelt es sich eigentlich um Steinfrüchte mit drei Kernen. Wird aus den Früchten eine reine Marmelade gekocht, so ist aus eigener Erfahrung das Trennen der giftigen Kerne ratsam. Selbst bei längerem Kochvorgang können diese bei den meisten Menschen zu Durchfall, Erbrechen und Diarrhö führen, obwohl der Gefährdungs-grad als „gering giftig“ eingestuft ist. Nur ein Teil der Fruchtsamen wird durch den Kochvorgang frei vom giftigen Sambunigrin, einem Blausäure abspaltenden Glykosid. Pure und gekochte Samenkernchen zeigen die Unverträglichkeit.

Das Fruchtfleisch enthält Öl, Vitamin-C (pro 100 g Frischgewicht 25 bis 65 mg), Vitamin B1, B2 und B3, Vitamin A, Pektine, Kohlehydrate und organische Säuren, Amino- und Folsäure, Biotin, Pantothensäure, viel Kalium, Phosphor, Kalzium, Natrium und Spurenelemente. Aufgrund seines hohen Vitamin-B-Gehalts eignet sich der
Saft sehr gut zur Behandlung von Nervenleiden wie Neuralgien. Die schläfrig machenden Früchte sind harn-, schweiß-und milchtreibend und wirken gegen Verstopfungen. 

 

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